VM mal anders

vor 3 Jahre, 2 Monate, 4 Wochen, 18 Stunden, 38 Minuten

Nachdem die Albatrosse in den vergangenen gefühlten hundert Jahren ihre Meisterschaften in Wilkendorf ausgetragen hatten, erfolgte nach ordnungsgemäßer Befragung der Mitglieder der erstmalige Wechsel auf eine andere aber wohlbekannte Anlage: Das Golfresort Semlin.

Ausschlaggebend für die Abkehr von der altbekannten Location war einerseits das stetig angehobene Greenfee und andererseits der damit nicht korrespondierende Service. Wenn für die Beköstigung und die Ehrung der VM-Sieger von der Gastronomie der hinterste Teil der Außenanlage zugewiesen wird, macht man sich damit keine Freunde. Das ging auch schon mal anders und vor allem besser. Wenn dann noch leichter Nieselregen einsetzt und man sich auf der Basis spontan erbrachter Eigenleistung das Partyzelt freiräumt, um hier zumindest trocken sein Mahl einnehmen zu können, ist die Bereitschaft, sein Geld erneut nach Wilkendorf zu tragen eher gering. Immerhin wurden hier im letzten Jahr 104,- € für die zwei Spielrunden auf den Tisch des Hauses gelegt. Dieses Mal waren es in Semlin zwar zwei Euro mehr, in diesen Preis war aber an den beiden Turniertagen jeweils ein Tellergericht inkludiert, wobei zwischen Fisch und Fleisch gewählt werden konnte. Der auf diese Weise eingesparte Vereinsbeitrag für die „Atzung“ der ausgehungerten Mitglieder konnte für die Reduzierung des Greenfees genutzt werden, sodass letztlich nur noch 90,- € von den Turnierteilnehmern zu begleichen waren. Mal sehen, ob eine Offerte aus Wilkendorf für die VM 2015 da mithalten kann.

Jetzt höre ich schon den Aufschrei der Bedenkenträger, dass Semlin ja nun nicht gerade um die Ecke läge und gerade bei frühen Startzeiten den anreisenden Mitgliedern alles abverlange, aber: Wer sich schon am Freitag auf den Weg macht, zahlt pro Person im Doppelzimmer nur 56,- € mehr und kann schon mal ganz entspannt auf dem Kurzplatz seine Runden drehen. So gesehen bietet Semlin also einen durchaus bedenkenswerten Rahmen und wir waren vielleicht nicht das letzte Mal mit unserer VM zu Gast.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass keine Beschränkung hinsichtlich der Vorgaben besteht und so alle Mitglieder an der Veranstaltung teilnehmen können. In der Vergangenheit war vielfach zu hören, dass die Eine oder der Andere ja gerne mal VM-Luft schnuppern würde aber die dafür erforderliche Vorgabe von -45 noch nicht erreicht sei. Wie anhand der Meldungen zu sehen war, scheint hier nicht ein wesentlicher Hinderungsgrund zu bestehen denn mit Sabine Gerlach gab es nur eine Teilnehmerin, die in Wilkendorf nicht hätte mitspielen können. Als Einstiegsturnier ist die VM vielleicht nicht gerade geeignet, wer aber schon mal „Turnierluft“ geschnuppert hat, kann sich durchaus auf die Runde trauen. Wie zu sehen war, sind auch gestandene Turnierspieler nicht davor gefeit, das eine oder andere Loch  mit einem zweistelligen Ergebnis abzuschließen.

Womit wir bei der Schilderung des eigentlichen Kerngeschäfts angekommen wären: 45 Albatrosse nahmen am Samstag ab 8:00 Uhr die erste Runde in Angriff. Wie immer wurde am ersten Tag mit aufsteigendem Handicap gestartet, sodass die Favoriten der Herren- und Seniorenkonkurrenz schon früh ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten. Die Damen spielten ihre Beste wieder nach dem letztjährigen Modus aus und konnten so noch etwas länger damit verbringen, ihre Subsysteme auf Betriebstemperatur zu bringen. Am Ende des Feldes nahmen die insgesamt acht „Stableforder“ ihren Kampf um eine gute Platzierung in der Nettowertung auf.  Nach vollbrachter Tat sah das Zwischenergebnis wie folgt aus: Bei den Damen lag die Titelverteidigerin Rita Sielski mit 40 Punkten in Front, gefolgt von Conny Eckert (39), Jeanette Promnitz (35) und Sylvia Richter (32). Auch Susanne Richter (nicht verwandt und nicht verschwägert) lag mit 31 Punkten noch in aussichtsreicher Position, um zumindest noch in den Kampf um den dritten Rang eingreifen zu können.

Bei den Herren wurde Burkhard Weber seiner Favoritenrolle gerecht und beendete die Runde mit 82 Schlägen an der Spitze des Feldes. Ihm dicht auf den Fersen waren Thomas Arnhölter und Dirk Schönberg, die jeweils drei Schläge mehr benötigt hatten. Ebenfalls noch mit Aussichten auf eine gute Platzierung hatte auch Christian Kaik mit einer 88er-Runde die magische 90 unterboten. Hier war am zweiten Tag noch einiges möglich.

Auch von dem einen oder anderen Senior konnte erwartet werden, dass der Platz mit weniger als 90 Schlägen bewältigt werden könnte. Hier waren diesbezügliche Ergebnisse allerdings Fehlanzeige. An dieser Marke „gekratzt“ haben zumindest Dirk Dreißen mit 91 und Uwe Hofmann mit 92 Schlägen. Rekordmeister Eddy Hülsmann folgte mit deren 94 und mit 97 Schlägen konnten sich auch Lothar Klein sowie Gerald Senftleben Hoffnungen machen, sich am zweiten Tag noch weiter nach vorn zu spielen. Bei den Senioren sah also alles danach aus, dass es einen neuen Titelträger geben würde, da Michael Promnitz gerade noch einen dreistelligen Score vermeiden konnte und so schon acht Schläge hinter der Spitzenposition zurücklag. Auf jeden Fall standen in allen Konkurrenzen noch spannende 18 Löcher am folgenden Tag bevor.

Um gleich den „Knallbonbon“ vorweg zu nehmen: Michael schaffte es tatsächlich mit einer tollen Runde und 85 Schlägen seinen Titel zu verteidigen. Uwe hielt seinen zweiten Platz und Dirk D. konnte sich zumindest knapp auf einem Podestplatz halten.

Die Damenkonkurrenz sah am Ende das Führungstrio des ersten Tages wiederum an der Spitze, allerdings in abgewandelter Reihenfolge. Rita konnte sich absetzen und errang abermals den Titel der Damenmeisterin, gefolgt von Jeanette und Conny, die ihre jeweiligen Plätze getauscht hatten.

Bei den Herren ging es zwischenzeitlich noch einmal spannend zu, konnte Thomas doch den Rückstand von drei Schlägen aus dem ersten Tag egalisieren und ging all square auf die fünfte Spielbahn. Am Ende reichte es aber dann doch nicht und Burkhard sicherte sich den Titel mit 163 zu 169 Schlägen. Auf Platz drei landete Dirk S., der auf der Finalrunde doch etwas Federn lassen musste.

Allen Titelgewinnern und Platzierten noch einmal herzliche Glückwünsche.

Natürlich sind an dieser Stelle auch die „Nettospezialisten“ zu nennen. In der C-Wertung setzte sich Christian Bering an die Spitze, der im Rahmen der Siegerehrung auch seine Trophäe für den diesjährigen Matchplay-Sieg in Empfang nehmen durfte. Herzlichen Glückwunsch auch dazu. Ihm folgten Michael Kioschis und Uwe Borchert auf den Plätzen. Netto B entschied Robert Platz zu seinen Gunsten, vor Dietmar Stein und Dieter Bergmann und last but not least wurde die A-Konkurrenz von Curosch Chams-Mourkani angeführt, der Carsten Boenisch und Lothar Klein hinter sich lassen konnte.

Ebenfalls nicht verschwiegen werden sollen die ausgelobten Sonderwertungen. Den longest drive teilten sich Karola Stein und Conny Eckert. Beide hatten in ihren jeweiligen Flights die weitesten Abschläge auf dem Fairway platzieren können. Da sie jedoch das entsprechende Hinweisschild auf dem Tee einem uns folgenden Turnier zugeordnet hatten, war eine entsprechende Markierung der Abschlagweiten unterlassen worden. Bei den Herren war Burkhard nicht zu übertreffen und die zweite Sonderwertung sicherte sich Wilfried Kulike, der an der 16 seinen Ball bis auf 3,65m an den Stock legte. Zu guter Letzt sei auch noch der beliebte „Basler“ erwähnt, der den größten Schlagabstand zwischen dem ersten und zweiten Turniertag gebührend belobigt. In diesem Jahr traf diese zweifelhafte Ehre Christian Kaik, der seiner 88 eine 106 folgen ließ. Böse Zungen behaupten, dass dahinter die klare Absicht zu erkennen ist, auch den letzten, noch nicht in seinem Besitz befindlichen möglichen Titel zu erringen (für die Senioren ist er ja noch zu klein).

Jetzt geht es wieder  zurück in das allgemeine Tagesgeschäft und die Jagd nach möglichst förderlichen Punkten für die AC-Tabelle steht auf dem Programm. Man sieht sich also in alter Frische am kommenden Samstag in Wall

Klasse Bericht Gerald! Besonders zum Schmunzeln deine Schilderung über die Umstände der letztjährigen VM in Wilkendorf!!! Das kann man wohl schwerlich besser machen! Großartiger Humor, einfach nur super !!!

Gruß Thommi
Wie immer hängt man dir förmlich an den Lippen beim Lesen deiner Berichte, Gerald. Toll!

...aber wen zum Teufel meinst du "mit den gestandenen Turnierspielern, die nicht davor gefeit sind, das eine oder andere Loch mit einem zweistelligen Ergebnis abzuschließen"? wink

LG Basti
Danke Gerald, alles treffend auf den Punkt gebracht. Die Anreise nach Semlin ist durchaus für eine ganze Reihe von Mitgliedern zeitlich nicht länger als die Fahrt nach Wilkendorf und wäre eigentlich auch ganz entspannt, müßte man nicht ständig nach "Starenkästen" ausschau halten.
Besten Dank auch allen "Organisatoren" der VM!
Schöne Grüße, Robert